Demnächst bei uns










Juliet, Naked

Wie kaum ein anderer Schauspieler prägte Ethan Hawke eine Generation von Kinofans, mit Filmen wie „Der Club der toten Dichter“, der „Before Sunrise“-Trilogie und „Boyhood“. Vom sensiblen Schüler mit Zivilcourage und Slacker-Antihelden zum verzweifelten Priester reicht die Spannbreite des vielseitigen 47jährigen. Als gescheiterter Rocksänger zeigt er in der wunderbar romantischen und humorvollen Tragikomödie über einen besessenen Popfan, den Erfolgsautor Nick Hornby als literarische Figur schuf, ungeahnte Talente. An seiner Seite brilliert die Australierin Rose Byrne, bekannt aus Komödien wie „Brautalarm“ oder „Bad Neighbors“. Und so besticht die gelungene Leinwandadaption nicht nur durch die Tiefe und den Witz ihrer Dialoge, sondern bietet auch qualitativ hochwertiges Schauspielerkino.

ab 15.11. im atelier am bollwerk


Loro - Die Verführten

Italien. Jeder korrumpiert jeden, und alles kreist um den ewig gutgelaunten Cavaliere: Silvio Berlusconi, der geniale Traum-Verkäu- fer eines Paradieses, das er hemmungslos vorlebt. Als skrupelloser Immobilienverkäu- fer hat er es vom Schnulzensänger zum Multi- milliardär, Medienzar, umjubelten Volkstribun und mächtigsten Mann des Landes gebracht. Jetzt will sich jeder seinen versprochenen Anteil schnappen, angetrieben von maßloser Gier nach Reichtum und Beifall, rauschafter Entgrenzung, und ewiger Jugend: Sergio, der kleine Zuhälter aus der apulischen Pro- vinz mit seiner schönen Helfershelferin Tama- ra ebenso wie die Politgreise Roms, die es nicht lassen können, sich hinter seinem Rü- cken zur Macht durchzustechen.

In Wahrheit brütet der Cavaliere mit dem perückenhaft gefärbten Haar einsam auf seiner gigantischen Sommerresidenz in Sar- dinien. Abgewählt, ausgebrannt, zahn- und ratlos, verfolgt von zahllosen Anlagen. Seine Frau Veronica hat seine billigen Tricks längst durchschaut und will nur noch ihre Würde zu- rück. Als er jedoch von den Intrigen gegen ihn erfährt, erwacht sein genialer Verkäuferinstinkt zu neuem Leben. Er weiß wie kein Zweiter, wie die Gierigen und Dekadenten, die Eitlen wie die Verzagten sich verführen und kaufen lassen. Während es Sergio mithilfe Dutzender seiner nackten, zugekoksten Mädchen endlich gelingt, sich Zugang zu seinem Anwesen zu verschaffen, macht sich Silvio Berlusconi wie magisch verjüngt daran, die Macht erneut an sich zu reißen.

ab 15.11. atelier am bollwerk


Was uns nicht umbingt

Als Vater zweier jugendlicher Töchter – mit einer eigensinnigen Ex-Frau, die zugleich seine beste Freundin ist, einem schwermütigen Hund, den er sich gerade erst angeschafft hat, und seinen eigentümlichen Patienten – braucht Psychotherapeut Max wahrlich keine neue Herausforderung. Aber wenn Sophie, die bezaubernde Spielsüchtige mit Beziehungsproblemen, stets zu spät in seiner Praxis erscheint, gerät Max’ vertraute Welt ins Wanken. Während er sich noch einzureden versucht, Profi genug zu sein, um Profi zu bleiben, führt eine unverhoffte Begegnung der beiden zu immer mehr Verstrickungen. Und es passiert, was nicht passieren sollte: Der Therapeut verliebt sich in seine Patientin. Wie soll er ihr helfen, ohne sich einzumischen? Wie kann er sie lieben, ohne sie zu verlieren? Hin- und hergerissen zwischen Gefühl und Verstand, zwischen seiner Patientin und der Frau, die er liebt, muss Max zunächst dem alten Flugzeugleitsatz folgen: Helfen Sie sich selbst, bevor Sie versuchen, anderen zu helfen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Sandra Nettelbeck lässt den Therapeuten ihres Erfolgsfilms BELLA MARTHA in seinem Kosmos von neurotischen Patienten, familiären und amourösen Verstrickungen wieder aufleben. Was uns nicht umbringt erzählt mit melancholischer Heiterkeit von Sinnkrisen und Herzensangelegenheiten in der Mitte des Lebens. In den Hauptrollen brillieren August Zirner, Johanna ter Steege und Barbara Auer.

ab 15.11. im atelier am bollwerk



Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand

Im Oktober des Jahres 1843 leidet der 31-jährige Autor Charles Dickens (Dan Stevens) stark unter den Misserfolgen seiner letzten drei Bücher. Obwohl er sonst alles hat, was man sich wünschen könnte, ist Dickens unzufrieden und auch um seine Finanzen ist es nicht gerade gut bestellt. Von seinen Verlegern im Stich gelassen, beschließt er auf eigene Faust einen Roman zu veröffentlichen, von dem er hofft, dass er seine Familie finanziell über Wasser halten und seiner ins Stocken geratenen Karriere wieder neuen Schwung verleihen kann. Doch dafür muss das Buch bis Weihnachten fertig werden und bis dahin sind es nur noch sechs Wochen. Dickens hat zwar eine Idee und einen Titel, „Eine Weihnachtsgeschichte“, doch die Arbeit gestaltet sich schwierig. Hilfe erhält er ausgerechnet von der Hauptfigur seiner Geschichte, Ebenezer Scrooge (Christopher Plummer), die sich auf einmal in seinem Arbeitszimmer materialisiert...

ab 22.11. im atelier am bollwerk


Der Dolmetscher

Nachdenkliches und unterhaltsames Roadmovie über zwei sehr unterschiedliche Männer die nach und nach ihre Seelenverwandtschaft entdecken.

„Sind sie Brüder? Zwillinge! Sie sehen sich nicht ähnlich. Wir haben nicht die gleiche Mutter.“ (der nationalsozialistische Terror hat Ali und Georg zu Schicksals Brüdern gemacht.)

Der slowakische Rentner Ali (Jiří Menzel) dessen Eltern aus rassistischen Gründen von den Nazis ermordet worden sind und Georg, der Sohn eines der verantwortlichen Täter (Peter Simonischek) machen sich zusammen auf eine Reise durch die Slowakei. Dabei kommt zur Sprache, was sie schon ihr ganzes Leben belastet, sie aber bisher vor Niemandem aussprechen konnten.

Der Dolmetscher stellt ein bemerkenswertes Gipfeltreffen europäischer Filmschaffender dar. Regisseur Martin Šulík (Der Garten) ist der bekannteste Slowakische Regisseur, der auch schon für sein Land ins Oscar-Rennen ging. Jiří Menzel hat als Regisseur für Tschechien (damals noch Tschechoslowakei) schon einen Oscar gewonnen. Und der Österreicher
Peter Simonischek wurde für seine Leistung in Tony Erdmann mit dem europäischen Filmpreis ausgezeichnet.

ab 22.11. im atelier am bollwerk


Cold War - Breitengrad der Liebe

Für „Ida“ bekam der Pole Paweł Pawlikowski vor drei Jahren den Oscar, fünf Europäische Filmpreise, einen BAFTA, den spanischen Goya sowie über 60 (!) weitere Auszeichnungen. Der Preisregen dürfte sich bei seinem jüngsten Meisterwerk wiederholen. Die rigorose Romanze, wiederum in wunderschön kristallklarem Schwarz-Weiß, bietet furiose Filmkunst vom Feinsten. Fünfzehn Jahre dauert diese raffiniert erzählte, elliptische Lovestory der Nachkriegszeit. Beginnend in der tristen polnischen Provinz, geht die Reise über Ostberlin ins glamouröse Paris und wieder retour. Eine zauberhafte Liebesgeschichte in Zeiten des versteinerten Stalinismus. Brillant inszeniert. Perfekt gespielt. Der Stoff, aus dem Klassiker gemacht sind. Und Publikumslieblinge. Und Oscar-Kandidaten sowieso.

ab 22.11. im atelier am bollwerk



Alexander McQueen

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Das geht auch vom einfachen Arbeiterkind zum gefeierten Mode-Guru! Lee Alexander McQueen, Sohn eines schottischen Taxifahrers, avancierte in den 90er Jahren zum kreativen Tausendsassa der Fashion-Szene. Seine Shows sorgen für Skandale. McQueen wird prompt als talentiertes Enfant terrible gefeiert. Das Pariser Luxus-Label Givenchy engagiert den britischen Mode-Punk als Star-Designer, später gibt Tom Ford den finanzkräftigen Mentor. Die Kehrseite des Ruhms lässt nicht auf sich warten: Drogen. Einsamkeit. Suizid mit 40. Zu den pompösen Klängen von Michael Nyman sowie gut sortiertem Archivmaterial entsteht eine sehr gelungene Hommage an das provokativ tapfere Schneiderlein. Nicht umsonst sagt McQueen: „Für mich ist das Leben ein bisschen wie die Märchen der Gebrüder Grimm.“

ab 29.11. im atelier am bollwerk


Le Grand Bal - Das große Tanzfest

Dokumentarfilm über das sieben Tage und acht Nächte dauernde Festival Le Grand Bal, das jährlich in einem kleinen Dorf in der französischen Auvergne stattfindet und zu dem 2.000 Menschen aus ganz Europa anreisen, um dort ausgelassen zu tanzen. Menschen jeden Alters und unterschiedlicher Herkunft wirbeln ihre Körper umher, lassen sich in die Musik mitreißen und verlieren dabei das Gefühl für die Zeit, während sie der Müdigkeit trotzen. Beim Tanzen verbindet sie die Freude, die sie gleichzeitig zelebrieren. Regisseurin Laetitia Carton reist seit 30 Jahren an diesen Ort, an dem das Lebendigsein gefeiert wird und stellt mit ihrem Film persönliche und philosophische Überlegungen zum Tanzen allgemein.

ab 29.11. im atelier am bollwerk


Die Unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Kleiderschrank feststeckte

Der Titel sagt es schon: Das ist eine Komödie! Ein knallbuntes, tolldreistes, abenteuerliches Märchen um Aja, einen Inder aus Mumbai, der nach Paris reist, um seinen Vater zu finden. Doch Paris, wo die Liebe bekanntlich zehnmal stärker ist als woanders, ist wiederum nur der Beginn einer immer verrückteren Geschichte über einen Optimisten, der die große, weite Welt entdeckt. Der indische Bollywood-Star Dhanush spielt den Aja und ist dabei schlicht überwältigend; er singt, tanzt, wirbelt durch die Kulissen und verbreitet gute Laune. Die Romanverfilmung eines französischen Bestseller hat Tempo und Witz, bleibt erfreulich unklamottig und ist sogar anspruchsvoll, denn im Grunde handelt der Film vom Leben in der globalisierten Gesellschaft. Darüber lässt sich trefflich nachdenken, aber man kann sich hier auch einfach nur amüsieren.

ab 29.11. im atelier am bollwerk